Neujahrs-Update, 28.12.2021

Liebe Patenleute                                                                                          

Liebe Nepal Freunde,

Ich hoffe es geht allen gut und Ihr seid Alle gesund.

Meiner Familie, den Patenkindern mit deren Eltern und mir geht es den Corona Umständen entsprechend gut. Ich möchte Euch ein paar Dinge über Nepal  berichten, wie die aktuelle Situation ist und wie es den Patenkindern geht.   

Von der ersten Covid Welle war Nepal nicht so stark betroffen. Es gab zwar einen Lock down für 7 Monate im Jahr 2020. Es ist in dieser Zeit aber relativ gut gegangen. Die Menschen haben sich an die Verbote gehalten, home schooling, Reiseverbot etc. es hat in dieser Zeit alles ganz gut funktioniert. Krankenhäuser waren voll aber man hatte das Gefühl das alles unter Kontrolle ist, auch die Infrastruktur und das tägliche Leben haben gut funktioniert. Nach Lock Down Ende konnten die Menschen sich wieder normal bewegen, auch Reisen waren wieder möglich. Geschäfte, Gastronomie und Schulen waren wieder geöffnet, die Grenzen waren wieder offen. Vereinzelt wurden auch Touristen gesehen, jedoch sehr wenige. Der Knackpunkt waren die Quarantäne-Bestimmungen bei der Einreise in Nepal sowie bei der Heimreise.  Erfreulich war, dass einige Nepali das Reisen für sich entdeckt haben und so einige Gruppen ins Solukhumbu, nach Pokhara, Anapurna, Chitwan national Park gereist sind. Hotels und Lodge Betreiber waren froh ein paar Nepali Gäste bewirten zu dürfen. 

Das Trekkinggeschäft mit den Touristen aus dem Ausland ist im letzten Jahr komplett eingebrochen. Im Frühling gab es aber einige Expeditionen, zBsp. waren ca. 400 Bergsteiger auf Everest Expedition, viel davon aus Indien. Das bedeutet Arbeit für ca. 2.000 Personen (Guide, Climbing Sherpa, Cook, Icefall Doctors, rescue, porter). Viele Sherpas haben nach 1 Jahr wieder Arbeit für ca. 2 Monate gefunden. Einige Covid Erkrankte gab es im Basecamp, die mit Heli nach KTM ausgeflogen wurden. Mit „nur“ zwei Unfall und zwei Covid Toten ist die Saison relativ gut verlaufen. Alle sind wieder heimgereist und am Everest ist wieder Ruhe.  

Trotz der Corona Umstände konnten 5 Sherpas nach Österreich kommen und in Niederösterreich und Steiermark auf Hütten arbeiten. Das war eine Erleichterung für Alle Beteiligten, die Wirte haben sich gefreut und die Burschen haben ein Geld verdient.          

Im April 2021 ist die zweite Covid Welle in Indien losgegangen, die tausende Kilometer lange Grenze zwischen Nepal und Indien war wochenlang offen. Die Inder die in Nepal arbeiten und auf Heimaturlaub waren kamen wieder zurück nach Nepal, viele Nepali kamen heim und infolge sind die Infektionszahlen in Nepal rasant angestiegen.  Das Gesundheitssystem ist zusammen gebrochen. Bettenkapazität in den Krankenhäusern und Sauerstoff waren am Limit. Die Krankenhäuser waren überfüllt, auf der Suche nach einem Krankenbett sind Leute verstorben. In Pasupatinath  wo Leichen verbrannt werden haben sich Warteschlangen gebildet. Diese Bilder in Nachrichten und in Social Media zu sehen war für mich sehr traurig. Die Ärzte und Schwestern waren wie überall auf  der ganzen Welt sehr gefordert und haben sehr hart gearbeitet und um jedes Menschenleben gekämpft. Nepal hat bis dato 11.550 Covid Tote zu beklagen. Bei der ersten Welle waren hauptsächlich ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankung betroffen, bei der zweiten Welle waren auch viele Junge Leute ab 35 Jahre betroffen. Bei der zweiten Welle waren auch einige Bekannte und Verwandte unter den Toten. 

Es gibt aber auch Geschichten mit einem Happy End die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Unsere Nachbarin in Zarok, die Mutter von Urgen der auch ein Patenkind ist, war an Covid erkrankt und hatte sehr schwere Symptome. Nachdem es Ihr immer schlechter ging hat man Sie nach Khunde getragen (ca. 1Std)  in das Sir Edmund Hillary Hospital. Der Arzt hat eine schwere Lungen Entzündung festgestellt und einen Rettungsflug nach KTM organisiert. Nach 3 Wochen Intensiv- Station, einer Woche Normal-Station und 4 Wochen häusliche Pflege bei Verwandten in KTM ist Sie wieder gesund geworden und konnte wieder zurück zu Ihrem Sohn und ihrem Mann nach Zarok. Die Kosten für Krankenhaus, Flug, Medikamente betragen 12.000.- EUR. Mit Hilfe von einigen Spendern aus Österreich und auch Nepal konnten wir einen beachtlichen Betrag übernehmen. Die Freude darüber ist riesengroß. Die Familie ist unendlich dankbar. In Nepal gibt es für den Großteil der Bevölkerung keine Versicherung, wenn ein Mensch eine Behandlung braucht, dann muss diese selbst bezahlt werden. Meistens von Familienmitgliedern. Viele Familien haben bei Covid Intensiv Behandlungen Ihr gesamtes Erspartes Geld ausgegeben. Wenn der Patient genesen ist dann ist das ja noch ein positiver Effekt aber einige Patienten sind verstorben und die Familien sitzen auf einen Berg Schulden, das sind schmerzhafte Schicksale.   

Die Zweite Geschichte ist die vom ehemaligen Patenkind Doma BK die jetzt einen Schulabschluss hat, jetzt verheiratet ist und zwei kleine Kinder hat.  Das zweite Kind hat sie per Kaiserschnitt im Bezirksspital auf die Welt gebracht. Der Arzt hat ein 30x30cm großes Tuch im Bauch vergessen. Bevor man das bemerkte, hatte Sie jahrelang Probleme. Sie war mehrmals im Krankenhaus, bekam auch Medikamente. Zum Schluss war Sie schon lebensbedrohlich erkrankt, Sie wog nur mehr 38kg (60kg ursprünglich). Schließlich musste Sie 4-mal operiert werden. Nun ist sie wieder einigermaßen gesund und kann sich um Ihre beiden Buben kümmern. Ihr Mann ist in den Arabischen Emiraten zum Arbeiten gegangen. Die Familie hatte zu wenig Geld um die Krankenhaus Rechnungen zu bezahlen. Über  Social Media Plattformen haben in USA lebende Sherpas Geldspenden gesammelt, auch ich habe 1.000.- EUR gegeben. Die Familie hat jetzt wenigstens keine Schulden mehr, und ist happy. 

Doma BK ist glücklich wieder zu Hause sein zu dürfen und bedankt sich bei Allen die mitgeholfen haben dies ermöglichen.

Lhakpa Kanchi mit Urgen sagt Danke

Patenkind Doma im Krankenhaus

Meine Mama ist inzwischen 87 Jahre, Sie und Mingma mit den Kindern haben viele Monate in Zarok in „Isolation“ gelebt. Die Möglichkeit über Video zu telefonieren hat da sehr geholfen. Die Covid Zahlen gingen im Ende Juni zurück und am 21.Juli wurde der Lock down beendet. Viele Existenzen waren da aber schon vernichtet. Inzwischen sind 55% über 12jahre 2x geimpft. Für eine Impfung  muss man oft 14h anstehen, damit man überhaupt dran kommt. Viele haben sich bei der Anmeldung „älter“ gemacht, damit Sie eine Chance haben die Impfung früher zu bekommen. 

Geimpft wird mit Impfstoffen aus China, Indian, USA, Europa….was gerade verfügbar ist, es gibt generell einfach zu wenig Impfstoff. Der größte Lieferant ist Indien, die Leute dort sind aber selbst massiv betroffen und brauchen dringend Impfstoff. Die Menschen in Nepal stellen keine Fragen über Nebenwirkungen oder nicht, ob  man über den Körper selbst bestimmen kann oder nicht, ob das irgendeinen Politiker hilft oder schadet, ob das lange oder kurz getestet ist.  Sie wollen sich selbst und andere schützen, dass sich Covid nicht weiter verbreitet und bald wieder normales Leben und Arbeiten möglich ist. 

Beim ersten Lock down konnten wir dank unserer Nepal Freunde und Helfer 60 Familien in Not Geld für Lebensmittel und tägliche Ausgaben geben. Wir haben 20 Blinden und behinderten Familien je eine Gasflasche zum Kochen gekauft. Für   3 Familien haben wir die Krankenhaus Rechnung bezahlen können. 

Bei der zweiten Welle, wieder zwei Monate Lock down, keine Arbeit… Alle die in Tourismus, Gastronomie, Hotel, Transporte arbeiten, bis zum Bauer der auf seinem Gemüse sitzen bleibt löst einen Domino Effekt aus. Familienväter, Taglöhner die Kleinigkeiten verkaufen um Fixkosten bezahlen zu können hatten keine Arbeit, keine Möglichkeit Geld zu verdienen.

Die Kinder haben das Jahr 2020-2021 mit distance Learning verbracht, seit September sind die Schulen wieder offen. Alle haben sich gefreut wieder in die Schule gehen zu dürfen. 

Mingma hat das Schulgeld mit „Abstand“ ausbezahlt. Mingma Temba (Patenkind und College Student) hat Fotos von der Übergabe gemacht. Trotz Home Schooling entstehen den Eltern, die sowieso durch Covid keine Arbeit und kein Geld haben,  monatliche Ausgaben für Schule, Internet Gebühren, Smartphone/Laptop Beschaffung, Lernbücher und Verpflegung. Die Patenschafts Hilfe und die Unterstützungen sind jetzt wichtiger denn je. Die zweite Welle ist vorbei, Nepal darf mit zwei Impfungen plus PCR Test besucht werden. Für die Nichtgeimpften gilt zwei Wochen Hotel-Quarantäne in Kathmandu. Vereinzelt waren im Herbst Touristen unterwegs, durch die COVID Auflagen ist der Ansturm gering. Es wird noch einige Zeit dauern bis wir uns wieder kurzfristig in Nepal oder Zarok treffen können. Bis sich die Wirtschaft erholt ist es noch ein langer Weg.

Ich fliege am Freitag, 18.12.21 für 3 Wochen nach Nepal. Nach zwei Jahren wieder das erste Mal. Ich freue mich, ich habe Familie, Verwandte und Patenkinder seit zwei Jahren nicht mehr besucht. Wenn jemand Zeugnisse von den Kindern haben möchte bitte schreibt mir ein Mail. 

Ich wünsche Euch Frohe Weihnachten und ein Gutes Neuen Jahr 2022!!!

Bleibt‘s XUND !

Liebe Grüße und Namaste Maya